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| > | Bad Reichenhall: Fernab von übertriebener Lederhosenromantik | 19.04.2001 | |||||||||||||||||||||||||||
Bad Reichenhall. Das Katholische Bildungswerk e.V. lud kürzlich ins Alte Feuerhaus in Bad Reichenhall zu einem etwas anderen Heimatabend. Gleichzeitig war der Abend auch Auftakt zum Fotowettbewerb mit dem Motto "Heimat - wo ich mich zuhause fühle". Für kritische Unterhaltung mit Biss sorgten "Die Querschläger" und Autor Josef Wittmann. | |||||||||||||||||||||||||||||
Michaela Obermeier, Geschäftsführerin des Katholischen Bildungswerkes, begrüßte die Anwesenden und machte deutlich, wie die Idee für diese Veranstaltung entstanden ist. "Was ist Heimat? Berge, Lederhosen, der Königssee, der Förster vom Silberwald oder gar der Obersalzberg, die dunkle Seite unserer Geschichte? Nein, Heimat bedeutet doch eigentlich viel mehr, wenn man genau hinschaut", meinte Obermeier. Das sollte auch eines der Ziele dieser Veranstaltung sein, die zum Nachdenken anregen soll, über den Missbrauch der Kultur im Rahmen kommerzieller Vermarktung. Obermeier warf die Frage auf, ob sich die Menschen mit dem Kitsch und mancherlei Geschmacklosigkeiten, erfunden für den Fremdenverkehr, noch identifizieren können. So entstand auch die Idee für den Fotowettbewerb "Heimat - wo ich mich zuhause fühle", in Zusammenarbeit mit der Agenda 21 im Landkreis Berchtesgadener Land, auf den Michaela Obermeier hinwies. Für die passende musikalische Umrahmung sorgten "Die Querschläger", die einigen noch aus dem Sternenzelt oder dem Rockhouse bekannt sein dürften. Die aus dem Lungau und rund um burg stammende Gruppe lieferte einen gehaltvollen Eintopf aus Blues, Funk und Reggae über Folk, Ethno bis hin zu einer Prise "Gstanzl", Jodler und volkstümlichen Elementen. Damit das Ganze noch besser "rutscht", offerierte man als Beilage zwischen den Stücken Gedanken über das Leben an sich, kabarettistisch verpackt. Kritisch und bissig beäugte man das ländliche Dasein der "Eingeborenen" wie auch der jährlich wiederkommenden Abnehmer der gestickten Dirndl und der original "Muh-Stimmen" aus der Dose. Die sieben "Alpenrebellen" haben mittlerweilen die vierte CD, mit Namen "Wossa va da mur", auf den Markt. Ihre Liedertexte, in unverfälschter Lungauer Mundart, sind zynisch mit viel Humor und lebensnah. Die Harmonie der verschiedenartigsten Instrumente, darunter sogar ein Dudelsack und ein Didgeridoo, und Gesang ohne großen technischen Aufwand, erinnern an die gute alte Hausmusik. Fritz Messner, Kopf und Stimme der Gruppe, variierte ohne Mühe zwischen den "B 99 Blues", dem "Verweigerungsjodler" und dem "Butterbleame", bei dem Bacardifeeling aufkommt. Dabei zeigte er zwischendurch einen, mit einem Augenzwinkern zu verstehenden Lungauischen Urtanz, wobei er eher wie Balu der Bär aus dem Dschungelbuch aussah. Als wortgewandte Ergänzung der Veranstaltung agierte der Tittmoninger Heimatdichter Josef Wittmann. Bekannt aus der Oberbayerischen Kulturszene als Autor und Theaterregisseur philosophierte er über Umweltzerstörung, Handywahn und über den Freistaat Bayern - parken verboten, betreten verboten, verboten, verboten... Anschaulich verdeutlichte er die Einsichten eines typischen deutschen Urlaubers am Strand, eingekeilt auf einen Platz in Handtuchgröße, "do is` s Hirn des oanzige wos se rian kon". Gleichermaßen wurden Märchen der Gebrüder Grimm in die heutige Zeit übersetzt. Hänsel und Gretel - ein Entführungsfall? Was hat das Schneewittchen wohl dazu getrieben, mit sieben Zwergen zu hausen und was mag es angestellt haben, dass man es vergiften musste? Jedoch zeigte sich Josef Wittmann auch besorgt über die Kontaktarmut und das Streben nach Dingen, die die Gesellschaft den Menschen aufzwang. Das Ganze natürlich erbarmungslos verpackt in sarkastischen Realismus und entwaffnender Offenheit. Ein gelungener Abend mit viel Witz, doch zwischen den Zeilen gelesen, sehr viel mehr zum Nachdenken. Nur schade, dass sich die Besucherzahl in Grenzen hielt. Denn gerade mit dem etwas anderen Heimatabend kann sich doch manch Gegner von Karl Moik und Maria Hellwig wieder auseinandersetzen und wird nicht erschlagen von Lederhosenromantik und "Edelweiskönig" aus der Dose. Dagmar Ascherl | |||||||||||||||||||||||||||||
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