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| > | Freilassing: "Das Krankenhaus wird einfach gebraucht!" | 12.01.2004 | |||||||||||||||||||||||||||
Freilassing. Rund 5.000 Menschen haben Samstagmittag für den Erhalt des Freilassinger Krankenhauses demonstriert. Dabei wurde deutlich, dass sich der Ärger der Freilassinger Bürger in erster Linie gegen Landrat Georg Grabner richtet: Mit gellenden Pfiffen und Zwischenrufen quittierten die Demonstranten dessen Ansprache. Viel Applaus gab es dagegen für den Unternehmer Max Aicher: Dieser sagte zu, er werde ein weiteres Gutachten, wenn nötig, aus der eigenen Tasche bezahlen. | |||||||||||||||||||||||||||||
Nicht nur Freilassinger Bürger, sondern Menschen aus dem gesamten Einzugsgebiet des Krankenhauses gingen für den Erhalt der Einrichtung auf die Straße. In einem langen Zug marschierte die Menge vom Krankenhaus zum Rathausplatz, wo die Ansprachen gehalten wurden. Mit zahlreichen Transparenten und Pfeifkonzerten verdeutlichten die Demonstranten ihren Unmut über das geplante Aus für die Akutversorgung im Freilassinger Krankenhaus. Der große Platz vor dem Rathaus konnte die Menschenmenge kaum fassen. "Lassen Sie uns das Beste für den Landkreis versuchen!", appellierte der Unternehmer Max Aicher an die Entscheidungsträger. Er habe vier Angebote für Gutachten einholen lassen. Der Kreistag möge eines davon auswählen. Und sollte der Kreis die nötigen Mittel dafür nicht zur Verfügung haben, so werde er, Aicher, die Kosten für glaube nämlich fest daran, dass mit Unterstützung von Gutachtern eine Lösung gefunden werden könne, wie die drei Krankenhäuser im Landkreis am Leben bleiben könnten, ohne dass zusätzliche Kosten auf den Kreis zuk Es gebe keine Zahlen, die es belegen, dass eine zentralisierte Krankenversorgung günstiger arbeite als eine dezentralisierte, meinte Dr. med. Klaus Kuchlbauer, der als Vorsitzender des Vereins zum Erhalt des Freilassinger Krankenhauses zuerst ans Mikrophon getreten war. Kuchlbauer warnte unter anderem davor, dass das Krankenhaus bei einer Umsetzung der jetzigen Pläne eine überaus leistungsfähige und erfolgreiche Belegschaft verlieren würde. Und an Georg Grabner gewandt: "Sie als Landrat können doch gar nicht vor die Betreffenden treten und sagen: wir brauchen euch nicht mehr!" Deshalb sei ein neues Gutachten nötig, "das jetzige taugt nur für den Papierkorb." Die Informationspolitik des Kreises kritisierte Kuchlbauer als "äußerst unbefriedi "Freilassing hat derzeit die höchste Belegungsrate und eine hohe Effizienz", meinte Bürgermeister Josef Flatscher. Wie gut belegt das Freilassinger Krankenhaus sei, davon habe er sich bei der Weihnachtsvisite überzeugen können: "Jeden Tag gab es über den Jahreswechsel unzählige Menschen in der Notaufnahme, die Zimmer rund um die Intensivstation waren stark besetzt. Auch die anderen Etagen zeichneten sich durch eine hohe Belegung aus: "Freilassings Krankenhaus wird einfach gebraucht!" Im Einzugsbereich des Krankenhauses lebten 50.000 Menschen. Allein 7.200 Arbeitsplätze in Freilassing bedeuteten, dass dauerhaft und permanent mehr Menschen in der Grenzstadt arbeiten als andere Krankenhausstandorte allein an Gesamtbevölkerung aufwiesen. "Ich habe kurz vor Weihnachten einen Antrag in den Kreistag eingebracht. Darin will ich eines sicherstellen: Fairness! Warum? Weil das bisherige Gutachten nicht auf völlig freier Grundlage erstellt wurde, sondern auf bereits fest vorgegebenen Varianten möglicher Strukturänderungen fußt." Deshalb habe er, Flatscher, ein weiteres Gutachten beantragt, das nicht schon vorgefertigten Meinungen folge, sondern tatsächlich völlig frei die Sachlage be "Es gibt auch Straßen abseits der Autobahn", gab Flatscher zu bedenken, es gebe vielleicht Entwicklungsmöglichkeiten, die noch gar nicht bedacht worden seien. Als Beispiel nannte er das kleine Halleiner Krankenhaus, das sich auf minimal-invasive Chirurgie spezialisiert und damit großen Erfolg habe. Wichtig sei es, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen, umfassend Lösungen zu suchen und die Betroffenen mit einzubeziehen. "Denn ich glaube, dass 20.000 Unterschriften, mehr als 1.000 Arbeitsplätze und viele Menschen ein deutliches Zeichen hierfür sind!" Eine für viele Menschen so massiv einschränkende Entscheidung müsse wohl überlegt sein. Die zu rasche Zeitfolge, die zu geringe Möglichkeit der Einsichtnahme und die kaum vorhandene Diskussionsmöglichkeit seien alles andere als förderlich für ein Verständnis für Entscheidungen in dieser historischen Dime Keinen leichten Stand hatte Landrat Georg Grabner bei seiner Rede, die immer wieder von Pfiffen übertönt wurde und von zahlreichen Zwischenrufen ("Lügner, Lügner!") begleitet wurden. Überhitzte Demonstranten mit Schneebällen suchten sich den Landrat, der sich allerdings recht tapfer schlug, sogar als Zielscheibe aus. Nur nach wiederholten Appellen zur Fairness von Seiten der Veranstalter war es überhaupt möglich, dem Landrat Gehör zu verschaffen. Georg Grabner gab zu bedenken, dass es im Landkreis drei Krankenhäuser mit den selben Leistungsspektren gebe. Das sei in dieser Form nicht aufrecht zu erhalten, eine Strukturänderung sei nötig. Die Bundespolitik sei es gewesen, die diese Vorgaben machte, und der Landkreis müsse sich daran halten, "ob es uns passt oder nicht." Die Situation in der Gesundheitsversorgung habe sich in den letzten Jahren zugespitzt. Schon jetzt arbeiteten die Landkreiskrankenhäuser mit Defiziten in Millionenhöhe. Die Fallpauschalen verschärften die Situation zusätzlich. Der Landkreis müsse darauf reagieren. "Keine einzige Kreistagsfraktion will die Schließung eines Krankenhauses!", beteuerte Grabner, im Gegenteil, sollten alle drei Häuser in kommunaler Trägerschaft bleiben. Für Freilassing sei die Einrichtung einer psychiatrischen Abteilung als Lösung vorgesehen. Die Akutmedizin und die Notarztversorgung seien für die Bevölkerung trotzdem rund um die Uhr gesichert. Die stationäre Behandlung erfolge aber halt in Bad Reichenhall. Grabner trat auch einigen verbreiteten Ansichten entgegen: Es stimme nicht, dass ein Krankenhausaufenthalt in Salzburg 700 Euro am Tag koste. Und es stimme auch nicht, dass das Freilassinger Krankenhaus am wirtschaftlichsten arbeite. Und auch der Vorwurf der künftig angeblich weiten Wege ins nächste Krankenhaus treffe so nicht zu. Denn ein Freilassinger habe nach Bad Reichenhall weniger weit zu fahren als etwa ein Unterwössener in die Klinik nach Traunstein. Außerdem käme Berchtesgaden als Standort für die Psychiatrie schon deshalb nicht in Frage, weil in Freilassing auch der Bedarf des südlichen Landkreises Traunstein abgedeckt werden solle. Ein Großteil der Arbeitsplätze könne so erhalten bleiben. Grabner abschließend: "Ich meine, wir haben eine gute Chance, und wir sollten diese gemeinsame Chance nicht kaputt machen!" Professor Dr. Franz Christoph Himmler stellte klar, dass es nicht im Interesse der Veranstalter der Demonstration liege, gegen den Landrat zu proklamieren, sondern "unsere Aufgabe ist es, uns für eine gute Lösung im Kreis einzusetzen." Allerdings seien die bisherigen Informationen und Diskussionen über das Gutachten nicht ausreichend gewesen: "Wir glauben, dass dieser Vorschlag den Versorgungsbedarf des nördlichen Landkreises zumindest unterschätzt, oder ihn ignoriert!" Die Freilassinger Ärzte seien nicht gegen die Psychiatrie. Im Gegenteil sei diese eine wichtige medizinische Disziplin. Allerdings müsse man bedenken, dass, wenn der Bezirk der Einrichtung einer psychiatrischen Abteilung nicht zustimme, "unser Haus halb lebendig leer blutet!" Schon jetzt habe man die Erfahrung gemacht, dass Mitarbeiter sich anderweitig nach einer Arbeit umsehen. "Eine halb lebendige Beerdigung ist das Schlimmste, was einem passieren kann." Zwar räume er, Himmler, ein, dass es im Landkreis 140 Krankenhausbetten zu viel gebe. Auch das Freilassinger Krankenhaus sei bereit, den Forderungen nach einem Bettenabbau nachzukommen. Allerdings müsse es dabei gerecht zugehen. Himmler: Krankenhaus So wäre es durchaus möglich, in den nächsten Monaten 60 Betten abzubauen. Dies könne aber auch geschehen, ohne dass bereits eine Entscheidung über die künftige Struktur getroffen worden sei. Diese Entscheidung sollte man zumindest so lange aussetzen, bis ein weiteres Gutachten vorliegt. Denn sonst könnte es sein, dass das Freilassinger Krankenhaus sehr schnell aus Ans Mirkophon traten auch die Geistlichen Dekan Anton Parzinger und Pfarrer Hartmut Hahn. Er wolle den Verantwortlichen die Sorge aus den kirchlichen Gemeinden weitergeben, meinte Parzinger: "Es ist Angst vorhanden: Wie sieht meine Lebenszukunft aus?" Um in einer solchen Situation still zu halten, bräuchten die Menschen schon ein blindes Vertrauen in die Entscheidungsträger, und das wäre einfach zu viel verlangt. Deshalb sei vor allem mehr Information nötig. "Das Geld ist wichtig. Noch wichtiger aber ist der Mensch in seiner existenziellen Würde!" Hartmut Hahn appellierte an die Kreisräte, gut nachzudenken, um liebevollere und gerechtere Lösungen zu finden, und eine Entscheidung als Christ, nicht als Lokalpatriot zu treffen. Norbert Schade, stellvertretender Vorsitzender des Personalrates, dankte im Namen der Mitarbeiter für die große Sympathie, die man von Seiten der Bevölkerung erfahren habe. Das Krankenhaus Freilassing leiste eine wichtige Arbeit: 9.000 ambulante und 5.000 stationäre Behandlungen würden hier im Dank der Belegschaft für Jahr durchgeführt, hinzu kämen 2.400 Anästhesien, 1.250 Blaulichteinsätze mit Notarzt und 440 solche Einsätze ohne Notarzt! Schade erinnerte an das Schulbusunglück in Surheim: Nur durch die Nähe des Freilas- singer Krankenhauses sei damals Schlimmeres verhindert worden! Wohin eine Gesundheitsversorgung, die sich ausschließlich an einer Kostenminimierung ausrichte, führe, das habe man im Jahrhundertsommer 2003 in Frankreich gesehen: In Paris seien tausende Menschen gestorben, weil eine ausreichende medizinische Versorgung nicht mehr gewährleistet war. rgz | |||||||||||||||||||||||||||||
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